Genetik des York Chocolate

Autor: Fulvio Bresciani

 

Der York Chocolate ist genetisch eine sehr außergewöhnliche Rasse, so außergewöhnlich, daß seine Besonderheiten Gegenstand wisssenschaftlicher Studien geworden sind, die zu interessanten Entwicklungen bei der Entdeckung neuer Gene führen könnten mit Auswirkungen auf die ganze Katzenwelt und wahrscheinlich auch darüber hinaus. Die Erhaltung, die Verbreitung und die universelle Anerkennung der Rasse York Chocolate sind nicht nur wichtig wegen der Schönheit und der Besonderheit dieser Rasse, sondern auch weil diese Rasse es Wissenschaftlern und Liebhabern erlaubt und auch in Zukunft erlauben wird die genetischen Besonderheiten dieser Rasse, die die einzigen Träger dieser fenotypischen Merkmale sind, zu studieren.

Die Ausprägung dieser physischen Merkmale, die sich inzwischen absolut stabilisiert haben und die alle gemeinsam diese Rasse stabilisieren können wie folgt aufgelistet werden:

Die Farbe des Fells, die Anordnung der Farbe weiß in der zweifarbigen version und das absolute Fehlen von Unterfell.

Zwei dieser Besonderheiten, und zwar das nicht vorhandensein des Unterfells und die Konformation des weißen Flecks, der wenn er vorhanden ist konstant gleich bleibt, haben und interessieren noch die Genetiker und Liebhaber der Katzenwelt und nicht nur.

Das Fehlen des Unterfells

Das Fehlen des Unterfells ist genetisch eine Besonderheit, die vielleicht gerade zu einer der interessantesten Entdeckungen, was diese Rasse betrifft, führt, d.h. die Individualisierung eines neuen Gens, das genau die Ausprägung dieses nicht vorhandenseins des Unterfells steuert. Die konstante Vererblichkeit dieses physischen Merkmals in fast allen ausgesuchten Exemplaren, hat mich besonders fasziniert, und hat mich zu der Annahme geführt das es ein eigens dafür verantwortliches Gen gibt. Weitere Beobachtungen, die ich an gekreuzten Exemplaren machte, die darauf ausgerichtet waren, daß die erwartete  Frequenz in dem fraglichen Gen den Mendelschen Gesetzen folgt waren erfolgreich. Einige weitere Beobachtungen könnten, wenn sie wie ich glaube, erfolgreich verlaufen, würden eine Existenz des Genes sehr wahrscheinlich erscheinen lassen.

Die genetische Hypothese an der ich arbeite ist folgende:

Gen, das die Ausprägung des Unterfells steuert erscheint mit zwei Formen von Allelen

yuc "wildes Allel" ist rezessiv und steuert das Vorhandensein des Unterfells
Yuc "mutiertes Allel" ist dominant und steuert das Fehlen des Unterfells
Y steht für York Chocolate die Rasse, die es mir erlaubt hat dieses Gen zu identifizieren, uc steht für  under-coat (Unterfell)

An dieser Studie über die Identifizierung des Gens ist vor allem die Universität von Pisa interessiert oder genauer das "Institut für Genetik von Haustieren" der Fakultät für Veterinärmedizin. Dieses Interesse besteht nicht nur wegen der Entdeckung an sich, sondern weil allgemein angenommen wird (die wissenschaftliche Beweislegung ist im Gang), daß viele Allergien beim Menschen, nicht nur vom Speichel, sondern auch vom Unterfell abhängig sind. Die Möglichkeit die physische Ausprägung des Unterfells zu kontrollieren, würde die Selektion, unabhängig von der Rasse, erlauben Katzen zu züchten, die keine Allergien auslösen.


Die Anordnung des weißen flecks in den zweifarbigen Individuen

Eine weitere, sehr besondere Eigenschaft dieser sicherlich originellen Rasse ist die außergewöhnliche Konformation des Weiß in den zweifarbigen Individuen.

Sowohl Janet Chiefari, die erste Züchterin des York Chocolate, als auch Anna Baldi, die Hauptzüchterin des York in Europa, haben es geschafft definitiv die geometrische Konformation des weiß in zweifarbigen Individuen zu stabilisieren, die in der Genetik als Spotting Particolor bezeichnet wird. Seit vielen Jahren fragen sich die Genetiker, ob es ein Allel gibt, das als Particolor (in kompakter Form als Sp gekennzeichnet) bezeichnet wird und welches als Variation des Allels "Spotting" des Gens White Spotting gilt.

Das Gen White Spotting steuert die Ausprägung des weiß in Fleckenform auf dem Fell. Wenn das weiß in Fleckenform vorhanden ist überdeckt es alle anderen Farben. Wenn man jetzt einer Theorie folgt, die durch den York zumindest teilweise belegt wird, existiert das Gen white spotting in vier Allelformen.

- "S" dominant und mutiert ist an die Präsenz des weiß im Fell gebunden. In diesem Fall überdeckt das Weiß alle anderen Farben und kann sich in unendlich vielen Formen, Größen und geometrischen Anordnungen präsentieren. Die Palette reicht von der schwarzen Katze mit einem einzigen weißen Haar bis zur weißen Katze mit einem einzigen schwarzen Haar.
-  "s" rezessiv und vom "wilden Typ" ist an das komplette Fehlen der Farbe weiß auf dem Fell gebunden.
-
 "SB" birmanisches Allel, wenn es eine Variation des Allels Spotting gibt, dann ist es an dem Vorhandensein des weiß auf den Pfoten gebunden. Das weiß auf den Beinen kann sowohl die ganzen Beine bedecken, als auch nur die Extremitäten der Krallen bedecken. Das Allel erhält seinen Namen von der Katze, bei der diese Eigenschaft die Rasse unterscheidet: die Birmakatze.
-
 "Sp" Particolor Allel, wenn es eine Variation des Allels Spotting gibt, präsentiert sie sich als die klassische geometrisch Konformation, die den zweifarbigen York Chocolate charakterisiert. Das klassische Particolor Motiv ist das Vorhandensein der Farbe weiß, die sich von der Nase ausgehend wie ein umgedrehtes V ausbreitet und das ganze Kinn, den Hals, die Brust und die Beine, entweder ganz oder teilweise, bedeckend verläuft. Eine Variante der Ausprägung dieses Allels ist ein einziger weißer Fleck, mehr oder weniger groß, im Zentrum der Brust.

Die Rasse York Chocolate würde diese Theorie voll und ganz belegen. Eine genetisch quantitative Analyse auf basiert auf der strengen Selektion dieser besonderen Anordnung der Farbe weiß auf dem Fell angefangen bei Janet Chiefari bis hin zu Anna Baldi würden diese Theorie exakt belegen. Kreuzungen zwischen Individuen des Typs Particolor und einfarbigen Exemplaren haben statistisch belegt, daß die Frequenz mit der sich dieses Allel ausprägt den theoretischen Frequenzen nach den Mendelschen Gesetzen entspricht. Abschließend kann man sagen, daß die Isolierung dieser Variation des Allels Spotting, eine exklusive Besonderheit der Rasse York Chocolate darstellt, genauso wie das Allel Birma für die Rasse Birma.

Stabilisierung der Rasse York Chocolate

Der York Chocolate ist eine Rasse, dessen physischen Ausprägungen, sowohl die, die von einzelnen Genen als auch die, die von mehreren Genen gesteuert werden, stabil sind und sich konstant mit minimalen Variationen in allen Nachfahren wiederholen. Der Standard ist genau definiert  und die genetische Karte des York Chocolate wurde vervollständigt und beinhaltet alle vom Standard vorgesehenen Variationen, sowohl für die Allele, die den Fenotyp darstellen, wie auch für die rezessiven.
Diese genaue Arbeit der Klassifizierung des Genpools des York Chocolate, charakterisiert diese Rasse nicht nur wissenschaftlich, sondern hat es den Züchtern erlaubt die physischen Ausprägungen, die vererbt werden zu kontrollieren.

 

Klassifizierung der Gene und der Allele, die an die ausprägung der körperlichen Merkmale gebunden sind 

Legende:
Im folgenden werden alle bis heute ausgemachten Gene, die die körperlichenEigenschaften kontrollieren (Fenotyp) aufgelistet. Das Sternchen das eventuell vor die Bezeichnungen der Gene gesetzt wurde bedeutet, daß dieses Gen oder zumindest ein Allel beim York Chocolate vorhanden sind. Nur für die Gene, die im York Chocolate vorhanden sind, sind die Allele und eine kurze Erklärung über das Gen und die Eigenschaften, die es kontrolliert angegeben.

Gene, die an die Konformation des Körpers gebunden sind

The Scottish-fold gene
The Japanese Bobtail gene
The Manx gene
The Polydactyl gene

Gene, die an die Konformation des Fells gebunden sind

 The Sphinx gene
*The Longhaired gene à 1) "L" dominant und wild drückt sich als kurzes normales Fell aus 2) "l" rezessiv und mutiert manifestiert sich mit langem oder halblangem Fell (erste Spalte in den folgenden Tabellen)
The Cornish Rex gene
The Devon Rex gene
The Oregon Rex gene
*The York under coat geneà1) "Yuc" dominant und mutiert manifestiert ein Fell ohne Unterfell 2) "yuc" rezessiv und wild Fell mit mehr oder minder dichtem Unterfell (zweite Spalte in den folgenden tabellen)

Gene,die an die Farbe des Fells gebunden sind

*The Color Gene à 1) "B" dominant prägt die Farbe schwarz aus 2) "b" rezessiv gegenüber "B" prägt die Farbe braun aus 3) "bl" rezessiv gegenüber "B" und "b" führt zu zimtfarbenem Fell (dritte Spalte in den folgenden Tabellen)
The Orange-Making Gene 
*The Color-Density Gene à 1) "D" domanint Ausdruck der nicht Verdünnung der Farbe  2) "d" rezessiv Ausdruck der Verdünnung der Farbe (vierte Spalte in den folgenden Tabellen)
*The Albinism Gene
à
1) "C" dominant Ausdruck einer vollen gleichmäßigen Farbe des Fells  2) "cb" (Burma) rezessiv gegenüber "C" und codominant gegenüber "C" führt zu einem leichten Albinismus und verändert schwarz zu dunkelbraun 3) "cs" (Siam) rezessiv gegenüber "C" und codominant gegenüber "cb"führt zu einer Zwischenform des Albinismus führt dazu, daß schwarz hellbeige mit schwarzen Flecken wird wie das klassische Fell der Siamkatze 4) "ca" (Albinismus blaue Augen) rezessiv gegenüber "C", "cb" und "cs" führt zu einem kompletten Albinismus drückt sich mit einem weiß-durchschimmerndem Fell und daran assozierten hellblauen Augen aus 5) "c" (kompletterAlbinismus) rezessiv gegenüber "C", "cb", "cs" und "ca" führt zu einem kompletten Albinismus, der sich durch weiß-durchschimmerndes Fell und rosa Augen ausdrückt (fünfte Spalte in den folgenden Tabellen).
*The Agouti Gene
à
1) "A" dominant drückt ein nicht gleichmäßiges Fell aus 2) "a" rezessiv prägt sich als gleichmäßiges Fell aus (Spalte 6 in den folgenden Tabellen)
The Tabby Genes
*The Color-Inhibitor Gene
à
1) "I" dominant führt zu einem Entfärbung der Spitzen des Fells 2) "i" rezessiv führt zu einer gleichmäßigen Verteilung der Farbe entlang des gesamten Fells (siebte Spalte der folgenden Tabellen)
*The Spotting Gene
à
1) "S" dominant führt zu weißen, deckenden Flecken, deren Größe, Form und Anordnung zufällig sind 2) "Sp" ist eine Variante von "S" und führt zu einer weiß, deckenden Färbung des Fells, die von der Nase wie ein umgekipptes V ausgeht und entlang des Kinns, des Halses, der Brust, des Bauches und teilweise auch der Beine verläuft. Eine andere Variante dieses Allels präsentiert sich als einzelner Fleck, von variabler Größe auf der Brust 3) "Sb" ist eine Variante von "S" führt zu einer weiß, deckenden Farbe, die sich nur auf die Beine beschränkt 4) "s" rezessiv gegenüber "S" und gegenüber möglichen Varianten "Sp" und "SB" und führt zum Fehlen von weißen Flecken auf dem Fell (achte Spalte in den folgenden Tabellen)
*The Dominant White Gene
à  1) "W" dominant drückt ein komplett weißes, durchschimmerndes Fell aus und tritt in Verbindung mit tiefblauen oder orangen Augen aus 2) "w" rezessiv gegenüber "W" und gegenüber möglichen Varianten "Wv" erlaubt den kompletten Ausdruck der Farbe (neunte Spalte der folgenden Spalten).

 

Tabellen aller Allelkombinationen der Gene mit allen möglichen Varianten wie sich die Gene im York Chocolate ausdrücken

 Die Spalten die jeweils von zwei Zeilen gebildet werden, klassifizieren jedes Gen, das körperliche Eigenschaften des York Chocolate ausdrückt. In der ersten Zeile finden sich alle Allele, die den Fenotyp kontrollieren, in der zweiten Zeile alle assozierten rezessive Allele. In der Tabelle sind die Allele fett gedruckt, die innerhalb der Rasse York Chocolate varieren können.

York Chocolate Lavendel Gleichmaessig

GENE

FENOTYP l Yuc b d C a i s w
REZESSIV l Yuc b d C a i s w

 

York Chocolate Scholokoden Gleichmaessig

GENE

FENOTYP l Yuc b D C a i s w
REZESSIV l Yuc b d C a i s w

GENE

FENOTYP l Yuc b D C a i s w
REZESSIV l Yuc b D C a i s w

 

York Chocolate Lavendel Zweifardig Particolor

GENE

FENOTYP l Yuc b d C a i Sp w
REZESSIV l Yuc b d C a i s w

GENE

FENOTYP l Yuc b d C a i Sp w
REZESSIV l Yuc b d C a i Sp w

 

York Chocolate Scholokoden Zweifardig Particolor

GENE

FENOTYP l Yuc b D C a i Sp w
REZESSIV l Yuc b d C a i s w

GENE

FENOTYP l Yuc b D C a i Sp w
REZESSIV l Yuc b D C a i s w

GENE

FENOTYP l Yuc b D C a i Sp w
REZESSIV l Yuc b d C a i Sp w

GENE

FENOTYP l Yuc b D C a i Sp w
REZESSIV l Yuc b D C a i Sp w

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References

 Fulvio Bresciani was born in Saluzzo (Italy) on December 12th, 1960. He conferred a degree in Nuclear Engineering on February 1985. Since 1987 working in optical design and signal processing applied on spatial technologies. He is author of many technical papers and several international publications.  Last time studying new mathematical models based on quantitative genetic principles in order to solve multivariable problems of non-linear systems. Together with Pisa University developing mathematical models predicting hereditary factors on feline selection. The more recently research developed regards the individuation of a new gene controlling the under coat appearance.

 Bibliografy 

[1] Feline Genetics Autori: R. Roger Breton, Nancy J Creek – Edito (netpets 1999)
[2] The White Spotting Gene in the Ragdoll Autori: Dr David Richardson, Jacqui Richardson - M.B..B.S. (Hons)
[3] Elementi di miglioramento genetico negli animali da compagnia Authors: Roberto Leotta, Francesca, Cecchi Marco, Bagliacchi, Marco Cianci - Edito da Servizio Editoriale Universitario (Feb. 2000)
[4] Robinson's Genetics for Cat Breeders and Veterinarians Autori: Vella, Carolyn M et al. Edito da Butterworth-Heinemann, published 9/99

     

Scholokoden Zweifardig Particolor                                 Lavendel Zweifardig Particolor